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Freuden- und Trauerland - Dafür ist Helgoland bekannt!


Foto mit der Helgoländer Düne, drei Blumen und Text
Freuden- und Trauerland - Vom Stranden und Bergen

© Foto Düne: Simone Gütte, Design mit canva.com


Nicht unbedingt ein Lob für mein heilig Land, oder? Aber ich will erzählen, was damit gemeint ist. Außerdem möchte ich eine Lanze brechen für meine Helgoländer Landsleute, die von Unkundigen oft als Strandräuber bezeichnet worden sind.

 

Wie kam es im ausgehenden 17. Jahrhundert zur Strandung von Schiffen?

 

Im Nordhafen, also am Ankerplatz nördlich der Woal, lagen die Schiffe bei südlichen und westlichen Winden geschützter als im Südhafen. Umgekehrt bot der Südhafen einen besseren Schutz, wenn der Wind aus Norden wehte.

 

Drehte der Wind und blies aus der »verkehrten« Richtung, konnten die plumpen Segelschiffe nicht einfach den Ankerplatz wechseln. Schlimmer noch, zog ein Sturm auf und das Ankertau riss in der schweren See, schlugen die Schiffskörper auf den vorgelagerten Riffen auf.

 

Es war der 30. Dezember 1705, als sich ein derartiger Vorfall ereignete. Die Schmacke »Der Engel« machte in der einsetzenden Dunkelheit auf der Südreede fest. Am anderen Tag hob ein Südoststurm an, kappte das Ankertau und setzte die Schmacke auf den Strand.

 

Wenn so etwas passierte, hieß es für die Helgoländer, schnell zu handeln. Die erste Sorge galt den Schiffbrüchigen. Oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens fuhren sie mit ihren Schaluppen zum Ort des Geschehens, um die Menschen sicher an Land zu bringen. Erst dann, wenn Wind und Wetter es zuließen, widmeten sie sich dem Bergen der Schiffsladung.

 

Ohne Erlaubnis zu bergen oder gar zu stehlen, wurde hart bestraft.

 

Die Bergung der angeschwemmten Güter fand unter Aufsicht der Obrigkeit statt, auf Helgoland Ratleute genannt. Nur Besitzer eines Burlotts, also des Bürgerrechts, wurden am Bergegut beteiligt. Sie hatten sich an der Unglücksstelle einzufinden, ansonsten verloren sie ihren Anteil.


Das Strandrecht gab vor, wie hoch die Anteile für die Beteiligten auszufallen hatten. Das geborgene Gut wurde in die Lagerschuppen verbracht. Nur leicht verderbliche Ware durfte an Ort und Stelle aufgeteilt beziehungsweise sofort verkauft werden.

 

Was die persönlichen Habseligkeiten des Kapitäns und der Schiffsbesatzung angingen, blieben diese den armen Seelen erhalten und galten nicht als Bergegut.

 

Was wurde angeschwemmt?

 

Die Ladungen fielen je nach Handelsschiff unterschiedlich aus. Mal waren es tonnenweise Fisch, Tran, Holz, Kohle, Getreide, Fässer mit Wein, Branntwein aber auch Ladungen mit Seife oder Elefantenzähnen, die sich auf dem Strand verteilten. 

 

Nur kurz möchte ich von einem Schiffsunglück berichten, das am 27. August 1695 geschah. Die »Printz Friedrich« strandete auf ihrer Reise von Malaga nach Hamburg auf einem Riff. Die Mannschaft verlor ihre Boote und feuerte Kanonenschüsse ab, um nach Hilfe zu rufen. Allerdings konnten die Helgoländer nicht sofort in See stechen, denn der Sturm hatte Orkanstärke erreicht. Als sich die Lage für die Gestrandeten verschlimmerte, setzten die Helgoländer unter Leib- und Lebensgefahr zum Unglücksort über und schafften es, das Schiffsvolk zu bergen.

 

Nicht immer gelang es, alle zu retten. Oft waren Menschenleben zu beklagen.

 

Schiffbruch war auf Helgoland keine Seltenheit. Daher nennen vorbeifahrende Schiffer die Insel das Freuden- und Trauerland:

 

Erreichen sie das feste Land und befinden sich in Sicherheit, ist ihre Freude groß.

 

Verlieren sie ihr Schiff mit all ihrem Hab und Gut und müssen von den Klippen zusehen, wie es in der See zerschmettert wird, trauern sie. Immerhin konnten sie ihr Leben retten.

 

Es kursiert die Geschichte, dass Helgoland als Verbannungsort für unruhige Geister gedient habe, womit möglicherweise Piraten gemeint gewesen sein könnten. Die Felsenklippe mitten im Meer, umschlossen von tosenden Stürmen und Wellen, biete sich geradezu an, wilde und boshafte Leute ohne große Mühe zur Einsamkeit zu bewegen. Angeblich könne dieser Menschenschlag hier gebändigt werden und sich einen sittsameren Lebensstil zulegen. Zwing den Schalk, nannte sich diese Maßnahme.

 

Ob das stimmt? Das weiß ich nicht zu sagen. Beim nächsten Mal erzähle ich ganz zwanglos von Hochzeiten und Todesfällen.

 

Stürmische Grüße – Gesa

 

Quellen:

© »Schiffsunglücke vor Helgoland 16. bis 20. Jahrhundert«, Max Arnhold, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg

© »Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland«, Otto-Erwin Hornsmann, bearbeitet von Erich-Nummel Krüss, Museum Helgoland

© »Helgoland in einer 250 Jahre alten Beschreibung« - Johann Friedrich Camerer (M.-G.Schmitz-Verlag/Nordstrand), Museum Helgoland

© »Helgoland Eine deutsche Kulturgeschichte«, Eckhard Wallmann, Verlag Koehler

Zitate und Eigennamen kursiv


Text ohne KI: © Simone Gütte

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