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Vom Wohnzimmer direkt auf die Insel


Collage mit Wohnzimmer-Konzertfotos lila beleuchtet, Personen singen und spielen Kontrabass. Text: Willkommen auf Helgoland.
Unsere Wohnzimmerlesungen im April 2026

Fotos: © Ilona / Andy


Die Meeresbrandung rauscht laut und unablässig. Die Umgebung atmet im blaugrünen Licht. Der Wind haucht frische Luft über die Köpfe der Anwesenden.


Man könnte meinen, man wäre auf einer Insel. Helgoland. Natürlich, welche sonst?


Aber so ist es nicht. Die Lauschenden sitzen gemütlich und wohl behütet auf einem terrakottafarbenen Sofa, zwei Sesseln, hellen Stühlen und lassen sich durch das beständige Meeresrauschen und Ullis Basstöne in Stimmung bringen.


Worauf? Auf die Lesungen, die am 18./19. April 2026 unser Wohnzimmer geflutet haben.


Vom Wohnzimmer auf die Insel. Auf dem Tisch stehen Fischleckerbissen und Bier. Nein, kein Schellfisch oder Kabeljau und auch kein Husumer Bier, wie es seinerzeit auf Helgoland serviert wurde. Fischli-Cräcker mit Sesam und Mohn und Störtebecker-Bier laden zum Zugreifen ein. Die Gäste sollen schließlich nicht hungern, während wir unter anderem übers Essen lesen.


Andy und ich teilen uns die Dialoge. Andy gibt den weinerlich-fiesen Habbo Eimsen und den mürrisch-tapferen Ole Sprinkholt; ich leihe meiner mutigen Rebellin Gesa Christiansen die Stimme und bin gleichzeitig die Erzählerstimme. Ulli Füller zupft und streicht den Bass, Andy spielt am Flügel, zupft dessen Saiten und entlockt dem Vibraphon Glockentöne.


Keine Erklärungen zwischendurch. Nur Lesen, Hören, Atmosphäre tanken. Sechs Passagen im Wechsel mit Musik, aneinandergereiht wie eine Kurzgeschichte. Zwischendurch knackt mal ein Fischli-Cräcker im Publikum oder eine Bierflasche wird geköpft. So soll das sein.


Anderthalb Stunden mitten in der Nordsee auf »unserer« Hochseeinsel. Am Ende der Lesung tauschen sich die Hörer:innen rege aus. Was weiß jeder über Helgoland gestern und heute, über die Sturmflut, die zum Jahreswechsel 1720/21 die Insel trennte, wer war überhaupt schon mal vor Ort, wer will jetzt unbedingt hin, vielleicht das 200-jährige Jubiläum Seebad Helgoland mitfeiern? Kurz: Wer hat Lust auf Nordsee?


Gesa, Ole und Eimsen haben sich wacker geschlagen. Die ganze Geschichte der »Rebellin im Sturm« will gelesen werden und so verlassen viele Bücher zusammen mit den Gästen am Nachmittag unser Wohnzimmer.


Helgoland in unser Wohnzimmer zu holen war eine fabelhafte und ja, auch stürmische, Idee. Ein Wochenende, zwei Wohnzimmerlesungen. Vorher haben wir uns Gedanken gemacht: Wer hat Lust auf Bücher, Lust, Musik & Texte zu hören, wer hat überhaupt Zeit für eine Wohnzimmerlesung? Wie stimmen wir Text und Musikstücke aufeinander ab? Damit ist ein schönes Programm zustande gekommen:


Programm der Wohnzimmerlesung

Was wollen wir zur Lesung servieren? Meine Idee, echte Fischbrötchen hinzustellen, habe ich schnell verworfen. Fettige Finger und Bücher. Geht für mich als Bücherfan und auch für alle anderen Bücherfans gar nicht. Am Ende bleibt festzustellen: Die Gäste haben sich an einen anderen Ort, in eine andere Zeit versetzen lassen. Haben in Musik & Texten geschwelgt. Es hat gefallen. Und das war das Wichtigste.


Andy und ich knabbern die restlichen Fischli weg, zischen je ein Störtebecker-Bier und schwelgen noch eine ganze Weile in blaugrüner Nordseeatmosphäre. Diese Art der Lesung werden wir sicher wiederholen.

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