Messe kompakt - Meine zwei Tage auf der Leipziger Buchmesse 2017

March 31, 2017

 

Samstag, 25.03.2017, 4:18 Uhr. Absolut noch keine Zeit zum Aufstehen. Aber ich bin wach, denn heute morgen geht es für mich erstmalig auf die Leipziger Buchmesse. Sie sei "gemütlicher" und "übersichtlicher" als die Frankfurter Buchmesse, höre ich von anderen Autorenkollegen. - Noch ein paar Mal umdrehen, dann stehe ich auf, dusche, trinke ein Käffchen mit meinem Mann, der mich zum Zug bringt. Ich winke, dann geht's los.

Meinen Platz finde ich neben einer jungen Dame. Sie sitzt auf meinem reservierten.

"Wo steigen Sie aus?", frage ich.

"Leipzig", sagt sie und grinst.

Was für eine Frage. Bei näherer Betrachtung glaube ich, der ganze Zug fährt zur Buchmesse. Schnell kommen wir ins Gespräch und quasseln bis der Zug auf dem Messebahnhof einfährt. Ab hier trennen sich unsere Wege. Meine Autorenkollegin verabschiedet sich und folgt den unzähligen Manga-Comic-Figuren. - Wow, was für Kostüme und Masken. Ich war schon mal in Venedig zum Karneval, aber das hier, Hut ab! Kreativ und authentisch, echte Fans eben. Ich jedoch suche mein Hotel. Es ist nicht da. Schade eigentlich. - Am Dialyse-Zentrum frage ich einen Taxifahrer und erfahre erstmalig, was man mit dieser Google-Sprache so alles anstellen kann.

"Google, sag mir, wo geht es zum nh-Hotel?", fragt er.

Google antwortet in einer mir unverständlichen Sprache. Der nette Taxifahrer schickt mich geradeaus weiter. "Isch nich weed, Se könn tzu Fuß laufen."

Ich laufe, jedoch frage ich vorsichtshalber einen weiteren Passanten.

"Nee, da müssen Se zurück, da is dör Messe-Bahnhof, da foahrn Se mit dör Bahn weeder."

Isch beschloss, ni weeder zu fahren. Sondern folgte, wie zuvor meine Zugbekanntschaft, den Manga-Comic-Figuren.

Endlich komme ich an, das CCL ist direkt vor mir, eine große rote Rose und Fahnen rechts neben mir. Da mein Rucksack und meine Tasche bereits meine Schultern deformieren, besteige ich ein Taxi, was mich zum nh-Hotel bringt.

Isch woah nu ö kleen wenisch feddisch mit de Welt - darf aber mein Gepäck abstellen und Limonenwasser trinken. Bewaffnet mit eener kleenen und groschn Umhängetasche gehe ich wieder zurück zur Leipziger Buchmesse. Wiederhergestellt betrete ich den "Fachbesuchereingang" und ... äh ... suche Halle 5. Ich frage gefühlte 20 Mal nach. Obwohl es immer geradeaus geht, habe ich das Gefühl, ich laufe Slalom. Denn: die Hallen mit den geraden Zahlen sind von mir aus gesehen links, die Hallen mit den ungeraden Zahlen rechts. Von dir aus gesehen?: Weeß isch nich. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass es mit meinem Orientierungssinn nisch zum Beschten bestellt is.

12:00 Uhr: Punktlandung, ich komme bei den "Wortwerkern" an. Der Stand ist kleiner als ich dachte (durch die Fotos), aber letztendlich ist es gemütlich. Mit jedem der netten Wortwerker ergibt sich ein Gespräch: übers Genre, übers Buch, über die Motivation, auf der Messe zu sein. Der Stand ist auf maximal vier Personen ausgelegt, so dass wir zusammen mit anderen Lesern, Autoren, Bloggern etc. die Gänge blockieren. Fantastisch war es, mal alle Leute, die ich nur über Facebook kenne, persönlich zu sprechen. Ich habe mich echt gefreut, so viele bekannte und noch mehr unbekannte Gesichter zu sehen. Einfach ein lebendiger Austausch. Drei Stunden vergehen wie im Fluge und haben mega-Spaß gemacht, denn ab 15:00 Uhr will ich ein paar Vorträgen lauschen.

Ich finde einen Hocker - und bleibe hocken. Und zwar für die Vorträge: "Lektoren zum Thema Lektorat und Self-Publishing" mit Ruprecht Frieling, Hans Peter Roentgen, Ulrike Sosnitza und Lisa Kuppler (Fazit: Ums Lektorat kommt keiner nie nich drumherum), "Verbände, die sich für die Rechte von Autoren einsetzen" = falscher Titel. Denn hier bleibe ich einfach hocken und höre diesem Vortrag zu. Verbandsvertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sprechen über ihre Normverträge und wie sie den Autoren zu ihren Rechten verhelfen. (Fazit: Österreich ist am fortschrittlichsten!). Zu guter Letzt: "Unkonventionelle Vermarktungsideen für Self-Publisher" vom TWENTYSIX Verlag (Fazit: Wie kommt die Wurst zum Buch?") – Alle drei Vorträge fand ich super interessant. 

Am Schluss will ich einer Lesung lauschen, so zum Ausspannen. Jedoch, ich finde beim besten Willen und auch nach dem achten Mal im Kreise gehen nicht: Stand D 430. So viel zu meinem Orientierungssinn. Egal. Ich gehe Richtung Ausgang und betrete eine große Verkaufshalle. An dieser Stelle ist mir klar, dass ich es nicht schaffen werde, ohne Buch die Messehallen zu verlassen. Also suche ich nach einem Historienroman, denn ich liebe Historienromane. Aktuell habe ich gerade meinen eigenen Roman Karmageister im Genre "historical fantasy" fertiggestellt.

Ich laufe von rechts nach links - und wieder zurück, dies gefühlte 10 Mal (in Wahrheit 7,5 Mal) und kaufe mir schließlich das Buch: "Das Kind in dir muss Heimat finden" von Stefanie Stahl. Keine Historie, Realität. - Glücklich, das richtige Buch für mich gefunden zu haben, gehe ich ins Hotel zurück. Eigentlich habe ich an diesem Abend vor, zum "BoD Bookdate" in die Milchbar Pinguin zu fahren. - Abba. – An der Rezeption fragt mich die nette Empfangsdame, ob ich einen Tisch im Restaurant reservieren möchte. Und wie ich möchte! Es gibt italienisches Buffet. Oben, im Hotelzimmer halte ich meine wehen Füße in die Badewanne, schminke mich ab und anschließend nochmal neu, gehe dann frisch umgezogen und völlig entspannt zum essen. Nix mehr mit in die Stadt fahren. - Nudeln, französischen Merlot, Fotos posten auf Facebook, Bett. – Herrlisch. Mei örschter Toch is vorbee.

Und nu kommt der nächste Morgen. Sonntag, 26.03.2017. CCL. Meet & Greet. Pitch. Meiner. Karmageister. Wochenlang vorher hatte ich ihn geübt: 400 Normseiten mal eben in 5 Minuten sprechen. Aha. Es hat etwas gedauert, bis ich meinen roten Faden gefunden hatte. Was ist das Thema meines Romans? Was will ich, engagierte Autorin, wohl sagen? - Ich kürzte.

Mein Mann bot sich als Zuhörer an. Gebannt lauschte er meinem Vortrag. "Dein Kernthema fehlt. Wo sind die Karmageister? Die müssen rein!" – Ja, klar. Wo sind meine hauptsächlichen Nebenfiguren abgeblieben? - Ich schrieb um. Nochmal kürzen. Endlich: 5einhalb Minuten. Mein Mann zumindest war zufrieden.

Und nun, die professionelle Jury, die Verlage, die Lektoren? Ich sprach mit Amazon Publishing, dem Hein-Verlag und dem Pro-Talk Verlag. - Natürlich dürfen sie nicht frühzeitig bekanntgeben, wie sie's fanden. Ich interpretiere auch nix. Keinen Blick der Zuhörerin in die Ferne – hat mehr was mit vier anstrengenden Messetagen zu tun. Keinen Blick auf's Handy – hat mehr was mit ebenso wichtigen Terminen zu tun. - Ich gehe erschöpft und glücklich nach Hause. Wir werden sehen, ob sich ein Kontakt ergibt.

Ich habe so viel gesehen, gehört, mich ausgetauscht, erlebt, erfahren – und dies an gerade mal zwei von vier Tagen. Ich habe so viele nette liebenswerte interessante hörenswerte sehenswerte engagierte Leute – und ja, überraschende Menschen – getroffen. Allein das war einen Besuch bei der Leipziger Buchmesse 2017 wert.

15:38 Uhr fährt mein Zug nach Hannover. Neben mir sitzt eine junge Frau. Sie liest, hört Musik. Sicherlich auch jemand aus der Buchbranche. Wir lächeln uns an, bleiben still. Ich lese bis ich einschlafe.

Schon jetzt freue ich mich darauf, wiederzukommen, Eindrücke zu sammeln und gaaaanz viele Menschen zu treffen.

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