Ostern im Februar

February 22, 2015

 

Ostereiermarkt in der Rattenfängerhalle in Hameln

 

Manfred Gerike, den ich bei der Lesung in der emK Johanniskirche Hannover  bei „GeschmacksSache“ kennengelernt habe, hat ein ganz eigenes Verkaufskonzept: Er präsentiert seine Bücher auf Kunsthandwerkermärkten.

An einem kühlen Tag im Februar darf ich mitkommen, denn in Hameln findet ein Ostereiermarkt in der Rattenfängerhalle statt.

An jenem Sonntag schleppe ich wie ein Osterhase einen Rucksack voller Bücher auf dem Rücken mit.

Manfred treffe ich direkt vor der Halle. Er erzählt, dass der Vortag eher mau war, nur wenige Besucher haben den Weg zu den Ostereiern gefunden.

Es ist in der Tat ein wenig früh im Jahr, um an Hasen, Küken und Osternester zu denken.

Wir warten gespannt. Die Einkaufszentren haben geschlossen und auch sonst gibt es keine großen Veranstaltungen in der Rattenfängerstadt, also (eigentlich) gute Voraussetzungen, um über den Markt zu bummeln. Die Atmosphäre der Aussteller untereinander ist sehr angenehm, man grüßt und unterhält sich freundlich, hilft einander. Alles Mögliche gibt es hier: selbst gemachten Gold- und Silberschmuck, Halbedelsteine, Ledergürtel, Taschen, selbst gestrickte Pullover, farbenfrohe Filzjacken und –blazer. Außergewöhnliche Senfsorten sind ebenso zu finden wie hausgemachte Marmeladen und Wurstsorten. Sogar eine kleine Gartenbahn ist aufgebaut, die durch ein Meer von Primeln, Osterglocken und Hyazinthen fährt. Und natürlich gibt es alle möglichen Arten von kunstvoll bemalten Ostereiern. Filigrane Kunstwerke schwer arbeitender Osterhasen und herumhüpfende gelbe Küken zieren die ovale Oberfläche.

Wir stellen unsere Bücher aus. Während wir reden und warten, trudeln die ersten Besucher ein. Manfred zeigt, wie man vorgeht: Er spricht die Leute an, scherzt und verteilt seine Leseproben unter den Vorbeischlendernden. Einige treten näher, sie lesen in Ruhe oder blättern sich durch die Bücher.

Gute Idee, ich mache es ihm nach. Irgendwann habe ich mich warm geredet und drücke jedem, ob er will oder nicht, meine Leseproben in die Hand. Manche ergreifen die Flucht - oder Ausreden: „Danke, aber das muss ich dann ja alles schleppen.“

„Ich komme später noch mal vorbei, jetzt geht’s gerade nicht.“ (Guckt sich um: Wo ist wohl der nächste Würstchenstand?).

Nichtsdestotrotz habe ich nach einer Stunde meine Leseproben an den Mann, aber hauptsächlich an die Frau gebracht. Ich stehe mit leeren Händen und zwei Stapeln Büchern da.

„Das waren zu wenig“, weiß Manfred.

Memo am mich, Anfängerfehler: zu wenig.

Manfred ist eben ein alter Hase im Geschäft. Fröhlich drückt er einem nach dem anderen seine Blätter in die Hand – und die Leute kaufen.

Mir dagegen fällt das Ansprechen ohne Leseproben wesentlich schwerer. „Möchten Sie mal ein Blick in die Bücher werfen?“

„Nein, danke, jetzt erst mal nicht.“

„?“

Es ist ein bisschen wie Häppchen anbieten, die schon zu lange auf dem Tresen lagen. Keiner möchte mehr probieren.

Die nette Dame hinter mir, die ihren selbst gemachten Schmuck verkauft, zuckt die Schultern, während sie mir strickend erklärt: „Läuft bei mir auch nicht gut, war schon mal besser. Die Besucher denken jetzt noch nicht an Ostern und Geschenke.“

Stimmt. Ich halte durch und siehe da, das erste Buch wechselt den Besitzer. Bei Manfred sind es gleich ein Dutzend mehr. Ich gönne es ihm.

Am Nachmittag holt mich mein Mann ab, ich freue mich.

Es hat Spaß gemacht, mit Manfred zu plaudern und was Neues auszuprobieren. Die Erfahrung war es auf jeden Fall wert. Aber ich schätze, Marktverkauf ist einfach nichts für mich.

 

Bildquelle: wix

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