Heißkalt über die #LBM18

Aktualisiert: 15. Dez 2019


(c) Bild Simone Gütte

Freitag, 16. März 2018

Nein, das sah nicht gut aus. Flocke für Flocke ließ sich auf dem grünen Rasenteppich nieder, bedeckte die Straßen, die Hausdächer, die frisch erblühten Knospen. Gestern war ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Heute, am Freitag, schneite es. Und morgen wollte ich zur Leipziger Buchmesse.

Nun gut. Fortan beobachtete ich den News-Ticker der ÜSTRA und der Deutschen Bundesbahn im Wechsel. Alles gut. Die Bahnen fuhren.

Samstag, 17. März 2018

Am nächsten Morgen brachte mich mein Mann zur Bahn. Ich winkte und stieg zuversichtlich am Bahnhof in Hannover um. Der Zug stand bereits da! Alles würde gut werden. Ich bestellte einen Kaffee, betrachtete die Landschaft, las in meiner Zeitschrift. Schaute erst in Köthen wieder hoch. 9:30 Uhr, wir standen und fuhren nicht ab.

Endlich, 20 Minuten später, kam die Durchsage: „Wir haben eine Gleisstörung vor Leipzig. Dort stehen die Züge im Stau. Keiner kommt nach Leipzig rein.“ Na, prima. Da haben wir den Schneesalat.

Ich simste mit Maren, meiner Freundin, die erstmalig mit zur Leipziger Buchmesse wollte und mit dem Auto unterwegs war.

„Schnee. Stau“, simste sie schnell mal während ihres Stillstands zurück. „12:20 Uhr Ankunft.“

Okay. Das war’s dann mit dem zügigen Durchfahren. Ich warte geduldig. Kurz vor 11 Uhr kam die Durchsage: „Wir fahren jetzt weiter bis Halle, mal sehen, wie weit wir kommen.“ Hoffnungsvoll lehnte ich mich zurück.

Tatsächlich fuhren wir in den Bahnhof von Halle ein. „Ab hier Schienenersatzverkehr“, meldete die freundliche Zugbegleiterin. „Wer zur Leipziger Buchmesse will, steigt bitte am besten hier aus.“

Ich wollte, und so zog ich mich an. Hinaus ging’s in die Kälte. Nach nur 15 Minuten Suchen hatte ich dann tatsächlich die Haltestelle für den Schienenersatzverkehr gefunden. „Wir warten hier seit 45 Minuten“, erklärte mir eine junge Frau, die sich bibbernd bei ihrem Freund eingehakt hatte.

Wundervoll. Ich dankte und simste Tobias Kiwitt vom BVjA (Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.), dass er bitte für Ersatz bei meiner Standbetreuung sorgen müsse. Denn hierzu war ich eingeteilt. Ab 13:30 Uhr. Meine Ankunft: unbekannt.

Aber, wie schön, ich wartete keine weiteren 45 Minuten mehr. Zwei (!) Busse trafen fast gleichzeitig an der Haltestelle ein. Ich brauchte mich auch nicht anzustellen, es wurde sowieso von allen Seiten geschoben. Geschafft. Ich stand. Fallen unmöglich. Ich simste Maren an. Sie konnte vorerst nicht antworten. Ein gutes Zeichen. Vermutlich fuhr sie ein Stück weiter.

13 Uhr traf der Bus auf dem Parkplatz der Leipziger Buchmesse ein. „Danke“, murmelte ich, in Erinnerung an die schwankende Fahrt im vollen Bus auf den eisglatten Straßen. Ein Hoch auf uns'ren Busfahrer!

Ich ging zügig rein, nicht nur, um mich aufzuwärmen. Womöglich schaffte ich es doch noch pünktlich zur Standbetreuung. Maren stand derweil irgendwo auf der Einfahrt zum Parkplatz fest. Sie hatte Zeit zu schreiben: „700 m in 2 Stunden. Komme. Irgendwann.“ Ich teilte ihr vorsichtshalber Halle und Standnummer mit, dann schlug ich mich bis zum BVjA-Stand durch.

Zum Glück wartete dort Ralph. Er nickte mir nur zu: „Geh erst mal ein bisschen rum, bevor du anfängst.“

Gute Idee. So kam ich dazu, den Stand der „Wortwerke“-Buchhandlung zu besuchen, traf auf bekannte Gesichter wie Heike Adami und Nina Lührs, gegenüber stand das Autorinnenduo Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki. Ein schönes Wiedersehen! Sogar Kari Lessir traf ich am Qindie-Stand. Bei der ganzen Hektik vergaß ich, mit allen ein Foto zu machen.

Pünktlich 14:30 Uhr löste ich Ralph am Stand ab und blieb nun allein zurück. Namensschild anlegen, Leseproben verteilen, dann kamen die ersten Interessenten. Ich erzählte alles, warum man dem BVjA beitreten sollte. Die Leute hörten gespannt zu.

  • rechtliche Erstberatung zum Thema Vertragsprüfungen vom Vorstandsvorsitzenden und Anwalt für Medienrecht Tobias Kiwitt

  • Führung von Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten, dann natürlich gegen Gebühr

  • stets aktualisierte Informationen über die Praktiken von Druckkostenzuschussverlagen

  • Angebot von Informationsveranstaltungen, Seminaren, Ausschreibungen zu Wettbewerben über die Qwertz, die viermal im Jahr erscheint

  • Teilnahmemöglichkeiten an Anthologien von LIMA und KONZEPTE

  • diverse Veranstaltungen zur Leipziger Buchmesse

  • Read & Meet von 10 – 12 Uhr mit wechselnden Autoren

  • Leipziger Offene Bühne bei „Leipzig liest“ im Café Puschkin, dieses Jahr zum 5. Mal

  • jährliches Hauptseminar in Gelnhausen zur Frankfurter Buchmesse

  • 20 Normseiten Probelektorat für Mitglieder durch freie BVjA-Lektoren

  • günstiger Beitrag von nur 40,00 € jährlich, ermäßigt gegen Nachweis 26,00 €

Ecetera pp. :-) Der Austausch begann Spaß zu machen. Ich verteilte Beitrittserklärungen, Infobroschüren und die älteren Ausgaben der Qwertz. Mit den Autorenkollegen fachsimpelte ich über's Schreiben und Veröffentlichen der eigenen Werke. - Vergessen war die strapaziöse Anfahrt. Schließlich trudelte Maren ein, nachdem sie gefühlte drei Kilometer vom Parkplatz zurückgelegt hatte. Erschöpft, aber keinesfalls schlecht gelaunt, drehte sie erst mal eine Runde auf der Messe.

Ich sprach in der Zwischenzeit mit jedem, der auch nur den Kopf reinsteckte. Auch Kena Hüsers, die Autorin von „Mondsüchtig“, schaute mit ihrem Mann vorbei. Wir tauschen uns bereits seit der letzten Leipziger Buchmesse regelmäßig über unsere Buch-Fortschritte und Erfahrungen aus und ich freute mir ein Loch in den Bauch, sie zu sehen. Kurz vor 18 Uhr waren dann so einige Autoren am Stand versammelt und es kam doch noch ein schönes Foto zustande.

Am Abend stand bei Maren und mir die 5. Leipziger Offene Bühne auf dem Programm. Also schnell mal – haha – zum Hotel zum Einchecken (der Schnee war einfach liegengeblieben, zudem war es saumäßig kalt), und dann sofort wieder los. Wir kamen trotzdem eine ganze Stunde zu spät. Und fanden noch ein Plätzchen am Rande. Wir saßen direkt (Juchhu!) bei der Anmeldung für die Lesung. Bei der Leipziger Offenen Bühne kann jeder BVjA-Autor 7 Minuten lang etwas aus seinem Buch vorlesen, egal, ob Romanausschnitt, Kurzgeschichte oder Gedichte.

Ich trug mich mit: „Das Malheur“ aus unserer neuen CD „WORT-KLÄNGE Musik & Geschichten“ ein. Für Aufregung blieb zum Glück wenig Zeit. Schon nach 30 Minuten war ich dran und setzte mich hinter’s Micro. 7 Minuten. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte im Schnelldurchlauf zu lesen, um die Zeit nicht zu übertreten. Dementsprechend hektisch wirkte es – auf mich selbst. Aber das machte nichts. Das Café Puschkin war urgemütlich, prall mit Leuten gefüllt, die alle Interesse am Lesen und Zuhören hatten. Am Schluss wurde sogar ein Gewinner gekürt. Alle anderen bekamen ein Buch. Was will man mehr? ;-)

Sonntag, 18. März 2018

Am Sonntag, den 18. März 2018, hieß es bereits wieder: auschecken. Heute stand für mich eine Lesung im Rahmen des „Read & Meet“ an. Und ja, jetzt war Zeit für Aufregung.

Ich hörte mir die Lesungen meiner VorgängerInnen an, bevor ich 11:20 Uhr selbst zu Wort kam. „Das Lied von Nevermoor“, eine 15-minütige Kurzgeschichte hatte ich mir für diesen Anlass ausgewählt. Kena und ihr Mann waren wieder erschienen, Maren saß dahinter und einige weitere Plätze waren besetzt. 11 bis 15 Leutchen sah ich aus den Augenwinkeln, die sich entweder setzten oder nach kurzer Pause weiterzogen. Trotzdem okay. Der Messesonntag war – entweder aufgrund des Schneechaos, der Kälte oder auch der herrschenden Grippewelle – schlecht besucht. Ich las und es machte mir Freude. Am Schluss noch Kena („Wir tauschen uns weiterhin aus!“ :-)) und ihren Mann verabschieden, dann bummelten Maren und ich die letzten Stunden über die Messe, kauften Bücher, trafen noch einmal Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki bei ihrer Signierstunde und ließen nun auch Fotos machen. Wir beobachteten die vielen Cosplayers der Manga-Comic-Con, die in ihren bunten und teilweise sehr zarten Kostümchen über die Messe flanierten oder erschöpft auf den Bänken und Böden saßen.

Schließlich stiegen wir gegen 16 Uhr in Marens Auto. Mit der DB wollte ich nicht zurückfahren. Im Leipziger Bahnhof konnten einige Züge den Bahnhof nicht verlassen. Ca. 18:30 Uhr kamen wir zu Hause an. Die Straßen waren schneefrei, die Sonne leuchtete uns voran. Nein, ich wollte gar nicht wissen, ob meine Zugrückfahrt nach Hannover betroffen war. Einmal darf man ja wohl auch freie Fahrt haben.

#LeipzigerBuchmesse #BVjA #Lesung #WORTKLÄNGE #LeipzigerOffeneBühne #ReadMeet

FOLLOW ME

  • Facebook Social Icon

© 2019 by Simone Guette. Proudly created with Wix.com