WORT-KLÄNGE Musik & Geschichten

Aktualisiert: Juli 25


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Musik & Lesung - Die Geburtsstunde der WORT-KLÄNGE

Ideensuche

„Wann tretet Ihr denn mal bei mir auf?“, fragte uns Elena Villanueva völlig unvermittelt im Juni 2016, als wir ihre Bilder auf der Vernissage im Künstlerhaus Sophienstraße bestaunten. Die gebürtige Peruanerin ist Sprecherin des Vereins „Bahnhof 2000“, des Kulturbahnhofs in Uelzen, der durch Friedensreich Hundertwasser gestaltet wurde.

Andy und ich schauten uns ratlos an, zuckten die Schultern. Meinen ersten Gedanken: Womit genau?, sprach ich lieber nicht laut aus.

Gut, Andy ist Musiker, spielt Klavier, Vibraphon und Schlagzeug. Ich schreibe Kurzgeschichten und Frauenromane. Aktuell schrieb ich in dieser Zeit fleißig an den Karmageistern, aber damals standen sie noch nicht mal in den Startlöchern (geplant nunmehr: Frühjahr 2018). Kurz gesagt, etwas Brandneues lag nicht vor. Hinzukam, was sollten wir beide gemeinsam auf die Beine stellen?

Das Thema war nicht vom Tisch, vielmehr verfolgte es uns ab jetzt ständig. Auf unseren Spaziergängen grübelte ich laut vor mich hin, ob ich aus den Karmageistern lesen sollte, sobald sie das Licht der Welt erblickten und Andy hinterlegt das Ganze mit Musik.

„Ne, ne, das ist dein Projekt“, wandte er ein.

Die Frage war, gibt es etwas, das zu uns beiden passt? Und was könnte das sein?

Zusammenspiel

Ein Jahr später – wir sprechen von Juni 2017 – gab es eine Facebook-Challenge: 10 Geschichten in 30 Tagen, #10G30T.

Ich hatte Lust mitzumachen, zögerte anfangs jedoch. Würde ich es schaffen, mir alle 3 Tage eine neue Kurzgeschichte auszudenken? Vorsichtshalber schrieb ich alle Gedanken und Träume auf, um daraus Geschichten zu entwickeln. Tatsächlich fiel mir mehr ein, als ich anfangs dachte. Und nicht nur das. Unser Urlaub auf Helgoland brachte schließlich die Idee hervor: Andy spielt Klavier, ich lese einige der Kurzgeschichten: 7 Klavierstücke + 6 Kurzgeschichten.

„WORT-KLÄNGE“, sinnierte Andy auf einem unserer Spaziergänge. „Was hältst du von #WORTKLÄNGE, Musik & Geschichten?“

Zurück aus dem Urlaub begannen wir sofort mit den Proben. Welche Geschichten wollte ich lesen, welche musikalische Begleitung passte dazu? Wir wählten einen Mix aus Spannung, Nervenkitzel und heiteren kurzen Texten. Wie das so ist, ist die Idee erst mal auf der Welt, will sie mit Leben gefüllt werden. Also lasen, spielten, probten wir, bis ein etwa einstündiges Programm entstand.

Bereits Ende Juli kontaktierte ich Elena via Facebook und lud sie zu unserer Vor-Premiere am 2. September bei uns im heimatlichen Wohnzimmer ein, außerdem ein kleines Publikum, das wir beglücken wollten. Andy und ich probten nun wöchentlich, später täglich, bis Text und Musik saßen. Das Publikum sagte zu, nur Elena wusste noch nicht, ob sie es an diesem Tag von Uelzen nach Hannover schaffen würde.

Uraufführung

Das Programm saß, die Aufregung kam. Wie vor jeder Lesung hoffte ich darauf, dass ich mich nicht verhaspelte oder über Wörter stolperte. Die möglicherweise hilfreiche Einstellung: Wird schon schiefgehen, wir sind ja alle nicht perfekt – hilft in diesen Momenten nur bedingt.

Vor der Aufführung hatte Andy rücksichtslos gegenüber Rücken und Bandscheiben unsere Wohnzimmereinrichtung umgestellt. Sofa und Stühle wiesen Richtung Flügel. Mein Platz war am Esstisch, der komplett unter der schwarzen Klavierdecke verschwand. Eine Stunde vorher erschien Frank Weber, unser lieber Freund und leidenschaftlicher Tontechniker, baute Mikrofon und Verstärker auf, verkabelte alles. Schnell eine kurze Sprechprobe, dann klingelte es an der Tür.

Während die ersten Gäste eintrafen, meldete sich Elena telefonisch, ihr Sohn bringe sie direkt bis vor unsere Haustür! Wow, wie schön. Entspannt warteten wir, bis sie eingetroffen war, dann legten wir los.

Unser Publikum war bunt gemischt. Musikliebhaber, Kulturinteressierte, Leseratten, aber auch Freunde und Bekannte, die sich in ihrer Freizeit mit ganz anderen Dingen beschäftigten, lauschten unserem Programm. Dann der Schlussakkord, bevor wir Ernst Jandl zum Besten gaben: „Kurzer Satz mit O – So!“

Das Publikum klatschte, unseren Gästen hatte es gefallen. Elena auch. Sie lud alle in den Hundertwasser-Bahnhof ein, bevor ihr Sohn sie wieder abholte. Ein schönes Geschenk bekamen wir auch: „Der Kuss“, handgemalt Öl auf Leinwand von Elena.

Zufrieden und erst mal erleichtert gingen wir mit allen, die Lust und Zeit hatten, zum Italiener, gönnten uns Pizza und ein, zwei Gläschen Wein.

Was kommt als nächstes, grübelten wir gemeinsam, oder: Was sollte jetzt kommen? – Andy teilte allen den nächsten Schritt mit.

Arbeit steht an

Eigentlich war es klar wie die berühmte Kloßbrühe: Wir brauchen eine CD, wenn wir unser Programm zukünftig vorstellen wollen. Und so kam Frank Weber bereits eine Woche später wieder zu uns. Er baute seine Gerätschaften rund um den Flügel auf und Andy hatte die Aufgabe, die 7 Stücke unseres Programms ordentlich und sauber einzuspielen. Geschätzte Dauer: ca. 1 Stunde. – Ich hatte mich vorsichtshalber in mein Schreibzimmer zurückgezogen. Nichtsdestotrotz drangen so einige sich ständig wiederholende Wendungen bis dorthin zu mir vor. 4 Stunden später wurde es ruhig im Wohnzimmer. Die Aufnahmen waren fertig, die Beteiligten auch.

Da das Leben bekanntlich ja immer für einen Ausgleich sorgt, bekam ich diesen zwei Wochen später serviert: Die Klavierstücke waren „im Kasten“ und nun war es an mir, die Kurzgeschichten einzulesen.

Im Grunde ist es genauso wie vor einer Lesung: Auch ohne Publikum ist die Aufregung da, die Angst, es irgendwie nicht gut genug zu machen. Gleichzeitig machte ich mir Gedanken, ob der Zuhörer alles verstehen würde. Kann ich laut/deutlich/betont genug lesen? Und das alles, ohne gekünstelt zu wirken?

Wir saßen in Franks Arbeitszimmer, die beiden Männer mit Kopfhörern am PC, ich am Esstisch mit Mikro vor der Nase und den Blättern in der Hand.

Die erste Geschichte „Der Besucher“ verlief noch ganz flüssig. Bei Nr. 2 „Das Malheur“ hing ich ständig an einem einzigen Absatz fest, den ich solange lesen musste, bis er saß. Nr. 3, „Das Lied von Nevermoor“, ist mit 15 Minuten Lesezeit die längste Kurzgeschichte. Es hakelte gewaltig. Es gibt tatsächlich Wörter, die einfach nicht unfallfrei über meine Lippen wollen. Nach einer Stunde war jedoch auch das geschafft.

Drei weitere Geschichten standen noch an. Ich leerte erst mal ein Glas Wasser. – Es ist eben etwas ganz anderes, alles am Stück und ohne große Pausen zu lesen.

Nun wartete Geschichte Nr. 4 darauf, eingelesen zu werden. Schlimm, kann ich dazu nur sagen. Ich hatte das Gefühl, überhaupt keinen Satz mehr fehlerfrei zu sprechen. „Seufzen“ kann ich, aber aussprechen kann ich das Wort nicht. Gefühlt 10x „seufzte“ ich, dann funktionierte dieser Satz endlich. Zwei Geschichten noch ...

Heimlich bewunderte ich Andy für das Einspielen der Klavierstücke, die Hörbuchsprecher im Allgemeinen und Frank mit seiner Engelsgeduld im Besonderen. Ich brauchte eine Pause.

Endlich klappten auch die letzten beiden Geschichten (fast) reibungslos. Abgesehen von einigen fiesen sich querstellenden Wörtern brauchten wir alles in allem: 2 ½ Stunden. Für mich hatte sich das länger angefühlt.

Ein paar Tage später steckte der erste Rohling mit unseren Texten und der Musik im Briefkasten. Jetzt waren wir sehr gespannt, wie wir uns anhören würden.

Nachjustieren

Wir überprüften ausgiebig die Tonqualität. Das erste, was mir auffiel: die Texte waren unterschiedlich laut, Pausen vor den Absätzen fehlten, und zwar hauptsächlich bei den Texten, die ich mehrmals wiederholen musste. Also Textmarker zur Hand und markieren, wo ich den Eindruck hatte, hier müsste mehr Pause rein. Was auch interessant war, die Musik war leiser als der Text. Dabei hat der Flügel ein weitaus kräftigeres Organ als meine Stimme! – Es half nichts, wir mussten noch mal ran.

Musik und Text wurden auf eine „Hörstufe“ angepasst, um das ständige Nachjustieren am Lautsprecherknopf zu vermeiden. Ziel sollte sein, dass der Zuhörer sich entspannt zurücklehnen und alles in einer Lautstärke hören kann. Frank als echter Ton-Profi, schaffte das. Das Ergebnis konnte sich hören lassen.

Am 7. Oktober machten wir bereits die Fotos für unseren ersten gemeinsamen Auftritt. Frank gestaltete das Booklet inklusive der Kurzgeschichten zum Mitlesen. Schrift, Farbe und Cover waren gefunden, nun ging es um die Formatierungen und Korrekturen.

Reicht die Lizenz von Fotolia für mein gekauftes Cover-Bild? Dieser Gedanke durchfuhr mich blitzartig. Also schnell noch eine Nachfrage, um sicherzugehen. Aber alles gut, versicherte Fotolia, das passt.

Das Finale läuteten wir am 04. November ein. Noch einmal checkten wir Bild- und Tonqualität, Schriftarten und -größen, Lesbarkeit, richtige Rechtschreibung und Grammatik der Texte. Alles in allem: gut 3 Stunden Arbeit, aber dann ... Geschafft! Unsere erste gemeinsame CD ist im Kasten! Jetzt heißt es noch GEMA-Gebühren für die Klavierstücke zahlen, parallel dazu geht das Werk in Druck.

Geburtsstunde

Am 23. November 2017 war er eigentlich geplant, der Tag der #WORTKLÄNGE. Aber das Fehlerteufelchen hatte sich eingeschlichen und verhinderte die termingerechte Geburt: Der Druck passte nicht und musste nachgebessert werden, bis alles passte. Der vorausberechnete Termin des WORT-KLÄNGE-Babys hat sich daher auf den 07.12.2017 verschoben. Aber nun ist sie da, frisch und fehlerfrei direkt aus dem Presswerk. Nun steht auch dem Auftritt in Elenas Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen nichts mehr im Wege.

#WORTKLÄNGE #Klavier #Lesung #MusikGeschichten

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