Hinter den Mauern der Ebnisburg: Teil 1 - Dederichs Furcht

Aktualisiert: 15. Dez 2019


Die Furcht überkam ihn ohne Vorwarnung. Sie schlich sich in seinen Schlaf, rüttelte an ihm. Sie überfiel ihn, egal, ob er den Wohntrakt betrat oder sein Schlafgemach aufsuchte.Er spürte kalten Wind auf seiner Haut, sah wie die schweren Vorhänge vor dem geschlossenen Fenster in Wallung gerieten. Eine feuerrote Mähne schwebte durch den Raum und immer wieder leuchteten zwei grüne Augen aus der Dunkelheit auf, suchten wie Irrlichter Halt im Zimmer.Aber das Schlimmste war das Wispern. Es schien von den Wänden und der Decke abzuperlen, kroch in seine Ohren und hakte sich im Kopf fest.Sie werden dich alle verfluchen. Es gibt kein Entkommen, kein Entkommen, kein Entkommen.

Wenn er floh, verfolgten ihn die Schritte, drehte er sich um, blickte er ins Leere.

Die Zeit schritt voran. Die Sommersonnenwende stand kurz bevor. Er spürte es in seinen bis zum Zerreißen angespannten Sehnen.

Aber diesmal war er vorbereitet. Seinen Leibwächtern war kein Fehler unterlaufen. Benn hatte Berthes Haus gefunden, Hauert hatte ihm die rothaarige Loredana und Röttger hatte ihm die Amme gebracht.

Er selbst würde wach bleiben in dieser Nacht, jede Regung beobachten, jedem Laut nachgehen.

Wenn die Turmuhr der Burgkapelle zwölf geschlagen hatte, war der Spuk vorbei.

Die Hexen würde er dem Feuer übergeben, auf das nie wieder eine ihm sein Ende prophezeie.

Der Tag war gekommen, an dem Dederich seine Furcht besiegen würde.

Bild: © suhasrawool - pixabay.com

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