Bücher meiner AutorenkollegInnen

 

Gelesen & rezensiert.

"Hanover's Blind" von Kia Kahawa

 

 

Taschenbuch 9,99 €

173 Seiten

Verlag: TWENTYSIX – Der Self-Publishing-Verlag

978-3-74073555-5

Auflage 1, 2018

 

 

Klappentext:

 

Blinde tanzen nicht?

Adam will ein Leben, das man tanzt. 
Keines, das lediglich die Wahl des geringsten Übels bedeutet. 
Der Studienabbrecher ist auf der Suche nach dem, was andere haben: einen gleichberechtigen Platz in der Gesellschaft. Um endlich auf eigenen Beinen zu stehen, immigriert er in seine Traumstadt Hannover. Doch die Möglichkeiten, sich als Mensch mit Behinderung ein eigenständiges Leben aufzubauen, sind begrenzt. Er verheimlicht seine Sehbehinderung, ohne zu erkennen, dass er sich damit selbst die größten Hürden baut. Sein Neuanfang lehrt Adam das Lieben, Tanzen und das Scheitern. 

Eine Erzählung über den Mut, sich von Erwartungen zu lösen und den eigenen Weg zu erkennen. Und über jene Dinge, die wir nicht sehen. Vielleicht sind das die Wichtigsten.

Eine Novelle, die Hannover detailgetreu aus der Sicht eines Sehbehinderten zeigt, die Blindheit der Sehenden beklagt und sich für ein Miteinander auf Augenhöhe stark macht.

 

Meine Meinung:

 

Dieses Buch habe ich bei der Leoguna Gemeinschaftslesung am 27. April 2019 im Café Konrad in Hannover kennengelernt. Kias Buch erzählt die Geschichte des homosexuellen sehbehinderten Adam, der sich in Hannover ein neues Leben aufbauen will, ohne dabei seine Sehbehinderung zu offenbaren. Ob so was wohl gut geht? – Das Buch habe ich mir gekauft, weil der vorgelesene Ausschnitt interessant klang und das Buch zudem in Hannover spielt, sogar an der Stadtgrenze zu Laatzen! Die Autorin nimmt sich in dieser Erzählung gleich zwei Thematiken vor: Wie geht der junge Mann Adam mit seiner Sehbehinderung um? Traut er sich, sich mit seiner Homosexualität zu outen? Nichts in der Geschichte drückt auf die Tränendrüsen, aber man fühlt mit Adam mit, hofft, dass er sich einlebt, Freunde findet und seine große Liebe. - Ein sehr empfehlenswertes Buch mit feinem Humor und einem – dann doch – überraschenden Ende. Kia hat mir ihre Erlaubnis erteilt, den folgenden Textschnipsel vorzustellen:

 

Adam sucht sich eine WG in Hannover: 

 

»Adam?«, fragte eine weibliche Stimme. 

»Der bin ich!«, Ich drehte mich zu einer kleinen Person um, die zierlicher nicht sein konnte. Die Flecken, die ihre Statur in meinem Gesichtsfeld darstellten, waren kaum vorhanden und wurden vom reflektierten Licht des hellen Bodens fast verschluckt. 

»Schön, dich kennenzulernen«, begrüßte sie mich herzlich. Ich streckte ihr meine Hand hin, wurde aber sofort umarmt. Gastfreundschaft konnte sie. 

Wir gingen die Podbielskistraße entlang. Offenbar eine Hauptstraße, an der sich hohe Häuser in den Himmel erstreckten. Neben Muriel zu laufen, erforderte meine ganze Konzentration, denn unbekannte Wege konnte ich ohne Stock eigentlich kaum zurücklegen, ohne Kollateralschäden zu verursachen. ...

»Was studierst du?«, unterbrach Muriel die quälende Ewigkeit des Schweigens. Ich war etwas verwirrt, da ich ihr das schon im Chat geschrieben habe. Anscheinend war sie genauso angespannt wie ich. Fremde Leute erzeugten immer Nervosität, und mein Gehirn hatte dann plötzlich eine Funktionsweise wie ein Kaugummi. 

»Gar nichts. Ich suche lieber einen Job. Festes Einkommen und so.« Klang ich jetzt cool und entspannt genug, um einen guten Eindruck zu hinterlassen?

»Aha. Was hast du studiert?«

»Schwachsinnologie«, wiederholte ich, was ich vorgestern in mein Smartphone gesprochen hatte. Mein Lachen über den eigenen Witz endete in nervösem Gekicher, da Muriel meine Antwort anscheinend als Insider nicht erkannte. Also zog ich die Schultern zu den Ohren und schämte mich ein bisschen. »BWL. In England. Hab’ ich dir doch erzählt, oder nicht?«

Plötzlich brach Muriel in Gelächter aus. »Bin ich bescheuert!«, rief sie aus. 

»Ich bin Johanna.« 

...

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