Bücher meiner AutorenkollegInnen

 

Gelesen & rezensiert.

"Bettler und Gaukler, Henker und Dirnen" Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt von Franz Irsigler und Arnold Lassotta

 

 

Taschenbuch 11,90 €

328 Seiten

Verlag: dtv, 978-3423300759

Auflage 11, 2009

 

 

Klappentext:

 

Ein fesselndes und wirklichkeitsnahes Bild von gesellschaftlichen Randgruppen in der städtischen Kultur des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit; Anschaulich wird hier die Rolle der verachteten Berufsgruppen wie Bader und Barbiere, Ärzte und Quacksalber, Gaukler und Dirnen geschildert. Ein wichtiger Beitrag zur »erzählten Geschichte«.

 

Meine Meinung:

 

Das Buch beschreibt anhand von Beispielen aus der Stadt Köln die Außenseiter im Mittelalter des 14. – 16. Jahrhunderts.

Obwohl das Buch ein Sachbuch ist, kommt man nicht unberührt davon. Der Spruch „finsteres Mittelalter“ muss ja irgendwo entstanden sein. Wenn man sich das Leben der Randgruppen (s. Titel) vor Augen führt, weiß man spätestens jetzt, woher. Sie lebten in einer von kirchlicher und feudaler Autorität geprägten Gesellschaft, teils im tiefsten Aberglauben verhaftet, ohne Bildung und ohne Aussicht, es jemals in eine „bessere“ gesellschaftliche Stellung zu schaffen. Auch Krankheiten, Gebrechen oder Armut führten dazu, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Um zu überleben, blieb den Menschen oft nur die Wahl, zu stehlen, sich zu prostituieren, zu betteln oder kriminell zu werden. Ein Kreislauf, aus dem man nicht mehr entkam. Wurden sie erwischt, führte das zu martialischen Strafen. Das Kapitel „Henker“ sollte man aus diesem Grund möglichst zügig durchlesen, ohne sich Genaueres dabei vorzustellen. Bleibt trotzdem nicht aus. Ein Menschenleben war eben nichts wert. Strafen erschienen der Mehrzahl der Menschen angemessen, sogar viele der Bestraften selbst sahen das wohl so. Womöglich hatten sie vor den Qualen der Hölle noch viel mehr Angst. 

Die Autoren schließen mit einem Fazit: Was hat sich derzeit verändert, was haben wir als „Ahnenlast“ behalten: Ausgrenzung, Ghettobildung, Sippenhaft haben wir ins moderne Zeitalter mitgenommen, jedoch helfen uns Bildung, Information, Mitgefühl und Toleranz über den Tellerrand hinauszugucken.

Mein Fazit: Den Vorsprung sollten wir nutzen, gerade auch mit Blick darauf, wie es derzeit in der Welt zugeht. – Zum Buch: Es hält sich an Fakten aus der Historie der Stadt Köln. Stellenweise ist der Text schwer zu lesen, da die Autoren viele altdeutsche Ausdrucksweisen und längere Zitate verwenden. Ich bin dann ab und zu mal darüber hinweggesprungen.

Ich empfehle jedem das Buch, der sich für mittelalterliche Geschichte interessiert, vielleicht zur Recherche für einen eigenen Roman. Dann jedoch sollte man sich noch ein Sachbuch über das mittelalterliche Leben im Allgemeinen besorgen, um ein rundes Bild zu zeigen.

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